Gestern
Ich stehe auf meinem Balkon und draußen riecht es nach Regen. Ich sauge den Geruch tief in meine Lunge ein und sehe den großen, wolligen Samen dabei zu, wie sie vom Wind durch die Straßen gepeitscht werden. Lustig, sieht aus als ob es schneit.
Langsam wird es dunkel, fast so dunkel wie es in mir ist.
Heute
Ich fühle mich unwohl bei jedem Schritt den ich gehe. Meine Oberschenkel sind zu dick und ich habe das Gefühl, als würde es jeder um mich herum sofort sehen. Sie reiben zwar nicht aneinander, aber das liegt wahrscheinlich nur an der engen schwarzen Jeans, in die ich mich vorhin mit viel Mühe reingepresst habe. Ich bin auf dem Weg nach Hause, um dann mit meinem Vater mitzufahren. In meinem Bauch befindet sich ein Ei, 91 Kalorien und es fühlt sich so falsch an. Ich rede mir ein, dass mich das satt gemacht hat und es funktioniert sogar für ein paar Minuten.
Als ich dann schließlich mit meinem Vater in der Küche sitze, blitzen Erinnerungen in mir auf. Ich öffne die Tür zur Speisekammer als er gerade im Bad ist und sich fertig macht. Ich habe so ziemlich alles was hier drin steht mehr als einmal rückwärts die Speiseröhre hochgewürgt und im Klo runtergespült..
Die Cashewkerne, die Schokolade, die Nudeln, den Toast, die Linsen.. einfach alles. Ich lasse meinen Blick umherwandern und das große, dunkle, böse Tier überwältigt mich wieder aus einem Hinterhalt. Nicht erinnern. Die Tränen brennen scharf in meiner Nase, aber ich darf das jetzt nicht passieren lassen.
Ich darf nicht zurück wollen. In die Unselbstständigkeit, in die wärmenden Mahlzeiten, die meine Mutter kocht, an die ich schon mein ganzes Leben lang gewohnt bin. Ich muss stark bleiben, denn eine andere Option gibt es nicht mehr. Der Weg zurück ist eingestürzt, von dicken Balken verdeckt und einfach keine Lösung mehr.
Ich weiß, dass ich mich nur an die guten Dinge erinnere und die schlechten in meinem Kopf einen niedrigeren Stellenwert verpasst bekommen, ich weiß dass mich meine Gedanken manipulieren.
Aber ich vermisse die Wärme. Vermisse jemanden der sich um mich kümmert. Dem es nicht egal ist, ob ich esse oder nicht. Aber wäre ich wieder dort, wäre es mir wieder nicht recht. Die Kälte hat meinen Körper und meine Gedanken im Griff.

Haha, eine köstliche Vorstellung, diese Kinder mit der Scheisse auf dem Kopf! Wir habens damals einfach vorgelesen bekommen :-) Geiler Scheiss.
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